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Der Strama-Standard: Wie mechatronische Standardisierung den Sondermaschinenbau effizienter macht

Wer an Sondermaschinenbau denkt, denkt an individuelle Maschinen. Jede Anlage ist einzigartig, jeder Kunde hat eigene Anforderungen. Doch wie schafft man es, Projekte schneller, wirtschaftlicher und gleichzeitig mit gleichbleibend hoher Qualität umzusetzen? 

 

Wir haben mit unserem Software Ingenieur Christoph Kaufmann gesprochen. 

Seit wann gibt es den Strama-Standard und warum wurde er entwickelt?

Christoph Kaufmann: Mit der Entwicklung des Strama-Standards haben wir bereits 2012 begonnen. 

Damals haben wir uns eine einfache Frage gestellt: Warum entwickeln wir in jedem Projekt viele Dinge immer wieder neu, obwohl sie sich bereits bewährt haben? 

Uns war schnell klar, dass Standardisierung deutlich mehr sein muss als eine Bibliothek mit SPS-Bausteinen oder Konstruktionsrichtlinien. Deshalb verfolgen wir von Anfang an einen mechatronischen Ansatz, wobei die Softwareabteilung bei der Standardisierung eine Vorreiterrolle eingenommen hat. 

Für uns gehören Mechanik, Elektroplanung, Pneumatik, Robotik, Vision, SPS-Software, HMI und Datentechnik untrennbar zusammen. Nur wenn alle Gewerke auf derselben Struktur aufbauen, entsteht ein wirklich durchgängiger Engineeringprozess. 

Heute wird der Strama-Standard von einem interdisziplinären Team kontinuierlich weiterentwickelt. Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen bringen ihre Erfahrungen aus laufenden Projekten direkt in den Standard ein. 

Mittlerweile bildet der Strama-Standard die Grundlage für mehr als 550 ausgelieferte Steuerungen und über 600 HMIs.

 

Was umfasst der Strama-Standard konkret? 

Christoph Kaufmann: Der Strama-Standard stellt heute eine gemeinsame Grundlage für zentrale Bereiche des mechatronischen Engineerings bereit. 

In der Mechanik definieren wir Vorzugskomponenten, Systemfunktionen und modulare Maschinenkonzepte, zum Beispiel über unsere Plattform ProMoCell. Die Elektroplanung arbeitet mit einheitlichen BMK-Strukturen und ePLAN-Makros. Für die Steuerungstechnik stehen SPS-Standardbausteine, eine festgelegte Softwarestruktur und ein Style-Guide zur Verfügung. Hinzu kommen ein einheitliches HMI-Konzept, Datentechnik, Dokumentation und miteinander verknüpfte Engineeringtools. 

Ein zentrales Element ist unsere Struktur aus CL (Control Level), FM (Function Module), FG (Function Group) und FU (Function Unit). Sie zieht sich konsequent durch die Elektroplanung und die Software. Schaltplan, SPS-Software, HMI und Dokumentation folgen damit derselben logischen Gliederung. Ein verbauter Zylinder kann dadurch im Schaltplan, in der SPS-Software, im HMI und in der zugehörigen Dokumentation eindeutig identifiziert und wiedergefunden werden. 

Das erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Elektroplanung und Softwareentwicklung und vereinfacht Inbetriebnahme, Service und spätere Erweiterungen. Teile wiederkehrender Arbeitsschritte - von der Projektstruktur über SPS-Software und HMI bis zur Dokumentation - können automatisiert erzeugt werden. Ob Siemens oder Beckhoff eingesetzt wird: Der Bausteinquellcode bleibt dabei weitgehend identisch. 

Das erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Elektroplanung und Softwareentwicklung und vereinfacht Inbetriebnahme, Service und spätere Erweiterungen. Teile wiederkehrender Arbeitsschritte - von der Projektstruktur über SPS-Software und HMI bis zur Dokumentation - können automatisiert erzeugt werden.

 

Viele Unternehmen arbeiten mit Standards. Was macht den Strama-Standard besonders? 

Christoph Kaufmann: Viele Standards konzentrieren sich auf einzelne Disziplinen. Unser Ansatz stimmt mehrere Gewerke über definierte Strukturen, Schnittstellen und Systemfunktionen aufeinander ab. Dadurch lässt sich die Grundlage sowohl für einzelne Maschinen als auch für komplexere Linien nutzen. 

Der Standard ist außerdem nicht auf eine einzelne Branche festgelegt. Entscheidend ist weniger, dass jede Anlage gleich aufgebaut ist, sondern dass wiederkehrende Funktionen und Engineeringabläufe nachvollziehbar und projektübergreifend nutzbar bleiben.  

 

„Für uns ist der Strama-Standard kein starres Regelwerk. Wir lassen die Erfahrungen aus unseren Projekten in seine kontinuierliche Weiterentwicklung einfließen. Gleichzeitig bleibt viel Spielraum für die individuellen Anforderungen unserer Kunden.“

 

- Christoph Kaufmann - Software Engineer

Bleibt bei so viel Standard überhaupt noch Raum für individuelle Kundenlösungen?

Christoph Kaufmann: Ja. Der Standard beschreibt die gemeinsame Grundlage, nicht die fertige Maschine. Er stellt Schnittstellen, erprobte Funktionen, Engineeringprozesse und das Sicherheitskonzept bereit. Darauf bauen wir die kundenspezifische Lösung auf.

Der Vorteil ist, dass ein Projekt nicht bei null beginnt. Das schafft mehr Raum für die Prozesse und Anforderungen, die beim jeweiligen Kunden tatsächlich individuell sind.

 

Wie stellen Sie sicher, dass der Standard aktuell bleibt?

Christoph Kaufmann: Wir verstehen den Standard als eine laufende Entwicklung. Unser Leitgedanke "Moving the limits. Together. Constantly." beschreibt diese Richtung. Neue Technologien und Rückmeldungen aus Engineering, Inbetriebnahme und Service werden bewertet, getestet und schrittweise übernommen. 

Bereits 2017 haben wir unseren Testraum aufgebaut. Das war eines meiner ersten Projekte im Bereich Standardisierung. Dort prüfen wir neue Technologien und Standardfunktionen unter realistischen Bedingungen, bevor sie in Kundenprojekten eingesetzt werden.

Für geeignete Anlagenmodule nutzen wir außerdem die virtuelle Inbetriebnahme, bevor die reale Maschine aufgebaut ist. Sie ist ein essenzieller Bestandteil einer professionellen und effizienten Projektabwicklung. 

 

Wie bringen Sie neue Mitarbeitende und Kunden mit dem Strama-Standard zusammen?

Christoph Kaufmann: Über unsere STRAMACADEMY bieten wir ein umfangreiches Schulungsprogramm an. 

Ich selbst bin einer von mehreren Trainern und schule sowohl neue Kolleginnen und Kollegen als auch externe Mitarbeitende und Kunden.

Dadurch treffen die Teilnehmenden später in den Projekten auf bekannte Konzepte, Strukturen und Dokumentationen und können sich schneller orientieren. Auch im Service hilft die wiederkehrende Anlagenstruktur: Unsere Fachleute kennen den grundlegenden Aufbau und können Informationen gezielter einordnen. Für Kunden erleichtert das die Bedienung, Wartung, Erweiterung und Modernisierung der Anlagen über den gesamten Lebenszyklus.

Innovation, die sich auszahlt.

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